Erinnern Sie sich noch an “You’ve got Mail” mit Meg Ryan und Tom Hanks? Im Mittelpunkt dieses Kinofilms aus dem Jahr 1998 stand AOL Mail. Damals waren der einfache Zugang zum Netz (dies und jenseits des walled garden) und der leicht zu begreifende E-Mail-Dienst die großen Assets des weltweiten Providers. War es nicht toll, verlässlich (mit Dagmar Berghoffs Stimme) beim Verbindungsaufbau das vertraute “Sie haben Post!” zu hören? Ich war (noch zu WAZ-Zeiten) AOL-Nutzer der ersten Stunde und konnte tatsächlich noch meinen Namen als Mail-Adresse bekommen (lauff@aol.com). Später, als ich Vice President AOL Europa wurde, wäre schon so etwas wie wlauff123 erforderlich gewesen.
Das alles ist lange Vergangenheit. Inzwischen ist AOL Mail von Hansenet (Alice) übernommen worden. Selten hat eine Übernahme so viele Bruchstücke hinterlassen wie in diesem Fall. Viele AOL-Accounts sind inzwischen gehackt worden und werden als Basis zum Versenden von Spam-Mails genutzt, ohne dass der ursprüngliche Besitzer der Mailadresse davon weiß. Neulich ist es mir aufgefallen, weil an einem alten Rechner noch lauff@aol.com in ein Windows-Mailprogramm eingebunden war; dort wurden mir Hunderte von Rückläufern von Spam-Mails angezeigt. You’ve sent mail, but the address was wrong. Wenn ich hunderte Rückläufer bekomme, für wie viele Mails wurde mein Account dann bereits genutzt?
AOL Mail ist vom stolzen Kernprodukt der (proprietären) AOL-Welt und vom später kosten- und vertragslos gestellten Dienst à la GMX und web.de für Hansenet offenbar zum lästigen Gossenkind geworden. Jedenfalls gibt es keine erkennbaren Bemühungen, Service zu leisten. Seit Monaten versuche ich, Hansenet auf die unberechtigte Verwendung aufmerksam zu machen, den Account zu löschen oder mindestens das Passwort für den Account zu ändern, damit er nicht weiter missbraucht werden kann. Doch bisher blieben Schreiben an Hansenet unbeantwortet. Die Hotline nimmt Anfragen gar nicht erst an, sondern verweist per Bandansage darauf, eine Nummer in den USA anzurufen (das koste aber, wird hinzugefügt). Die Passwortänderung mit Hilfe der offenbar allein in Frage kommenden Funktion “Ich habe mein Passwort vergessen” führt zu Fehlermeldungen. Das Löschen des Accounts wird nirgendwo angeboten.
Nun habe ich es mal mit einer Mail an das “AOL Feedback-Center” versucht. Hinter dieser großspurigen Bezeichnung wird wahrscheinlich ein Halbtags-Mitarbeiter verborgen sein, der die Verwesung der Marke “AOL Mail” irgendwie begleitet. Über den weiteren Verlauf halte ich Sie informiert.
Ergänzung nach drei Wochen: Am 8. September erhielt ich eine E-Mail von AOL mit folgendem Text: “Sehr geehrter Kunde, vielen Dank für Ihre eMail. Mit Bedauern bestätigen wir den Eingang Ihres Kündigungswunsches, und werden Ihr Kundenkonto in 3 Tagen schließen. Wir bedauern Ihnen keine Bestätigung in Papierform zusenden zu können. Mit freundlichen Grüßen AOL DE Support ROM AS Ihre AOL-Kundenbetreuung AOL Deutschland Medien GmbH Handelsregister AG Hamburg HRB 99260 Geschäftsführer: Marianne Stroehmann.”
Abgesehen davon, dass Marianne Stroehmann bereits im August bei AOL ausgeschieden und daher wohl auch nicht mehr “Geschäftsführer” (sic!) ist, klang das vielversprechend. Allerdings geschah nach drei Tagen nichts. Auch weitere Mails im Abstand von jeweils sieben Tagen blieben unbeantwortet. Ich habe AOL daher am 24. September 2011 geschrieben: “Sehr geehrte Damen und Herren, ich fordere Sie hiermit erneut auf, Ihre Ankündigung vom 08.09.2011 in die Tat umzusetzen, meine Acccounts lauff@aol.com und westfilm@aol.com ABZUSCHALTEN, da sie von Unbekannten gekapert wurden. Den Vorgang finden Sie unten. Ich weise darauf hin, dass Sie sich strafrechtlich wegen Beihilfe zu den Straftaten zu verantworten haben, die über diese gekaperten Accounts derzeit begangen werden, weil Sie diese Straftaten spätestens seit dem 11. September 2011 hätten verhindern könnten. Ich weise auch auf Ihre zivilrechtliche Haftung hin; Ihr Unterlassen ist mitursächlich dafür, dass möglicherweise Schaden bei Personen entsteht, die auf die Authentizität der E-Mails vertrauen und etwa Lieferungen senden, die ich nicht bestellt habe. …”
Weiteres bei Fortgang.

Letzter Kommentar